Aus Ruinen auferstanden


Solingen/von Peter Nied-Was 1945 ein englischer Journalist bei ZWILLING sieht, liest sich so:“ das Bild von 42 Bombentreffern, die das Werksgelände umgepflügt hatten, passte sehr schlecht zu einer Präzisionsarbeit, die Henckels Kapital gewesen war. Die Gesenkschmiede war pulverisiert. Der große Kran im Stahlwerk, der zum Gießen unentbehrlich ist, war zerstört, das Laboratorium dem Erdboden gleichgemacht. Eine Bombe fiel in den Schacht des Hauptwasserbehälters.
Ein fünfstöckiges Gebäude, in dem Werkstätten untergebracht waren, war vernichtet worden. Überall waren die Dächer abgehoben und ließen kostbares Gerät freiliegen. Wertvolle Maschinen waren weggeschleudert und unter Bergen von Schutt begraben worden."
Ein wenig verklärt wird immer die Geschichte des Wiederaufbaus und die Aufnahme der Produktion. Nicht die Eigentümer, sondern die Arbeiter der Firma Zwilling ergriffen die Initiative. Hier hat Hauser sauber und wertefrei recherchiert. Etwa dreißig ehemalige Zwilling Scherenschleifer, eben aus der Gefangenschaft entlassen, sprachen die britische Besatzungsmacht wegen Arbeit an. Sie verschwiegen die ehemalige Tätigkeit für Zwilling, denn als Rüstungsbetrieb stand Zwilling mit dem Rücken zur Wand. Also gab man vor, als Heimarbeiter eine Art Lohnschleiferei zu betreiben. Es gab die Erlaubnis, und fortan schliffen die Leute in einer halb verfallenen Werkstatt. So ganz nebenbei wurde im kleinen Stil auch der Wiederaufbau betrieben. Und im November 1945 gab es auch noch vollkommen überraschend einen Auftrag der Briten. Es sollten Bestecke für die Soldaten der Besatzer gefertigt werden.
Den Sturm dieser Begeisterung bremste allerdings ein Befehl der Briten aus. Die 25 leitenden Angestellten und Technikern wurde verboten das Werksgelände zu betreten. Begründung: 23 dieser Leitenden waren Mitglieder der NSDAP. Dr. Beckmann, als einer der Inhaber, wurde durch einen Nachkriegs - Entnazifizierungsausschuss entlastet.
Nun stellte sich eine neue und bange Frage, wird das Zwillingswerk demontiert, und gehen die Maschinen als Reparationsgut nach England? Im Dezember 1946 wurde dann auch noch eine Arbeitserlaubnis für die Herstellung von Bestecken widerrufen. Bei Zwilling sah man eine treibende Kraft im Hintergrund. Es wurde vermutet, dass die englische Kookkurrenz in Sheffield die Hände im Spiel hatte.
Doch dann spielte die große Weltpolitik den Solingern positiv in die Hände. Die gewünschte Ost-West-Verständigung zerschlug sich. Deutschland wurde zu einem westlichen Bollwerk, die Produktion vor Ort wurden wieder aufgenommen und ausgebaut.

Am 14. Juli 1947 wurde der Firma Zwilling mitgeteilt, dass nunmehr die Produktion aller Typen von Stahlwaren wieder aufgenommen werden könne.

 

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