Reisebestecke

 

 

Reisebestecke

von Peter Nied

Reisebestecke haben ihren historischen Ursprung in der Zeit vor der Industrialisierung, als Bestecke von ihrem Besitzer stets mitgeführt wurden. Solinger Messerhersteller stellten sich um 1900 auf neue Reisegewohnheiten der Bevölkerung ein und fertigten platzsparende Reisebestecke in vielfältigen Ausführungen. Diese Bestecksätze wurden auch als Touristenbestecke bezeichnet.

Das Reisebesteck hat seinen ganz eigenen Platz in der Geschichte der Bestecke. Heute fast nur noch im Bereich des Militärs und der Pfadfinderschaft genutzt hat das Reisebesteck seine geschichtlichen Ursprünge weit vor den industriell gefertigten Bestecken. Im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts führten die Reisenden ihr eigenes Besteck in Köchern aus Metall und Etuis aus Holz mit sich. Und da solche Reisen vornehmlich von reichen Menschen angetreten wurden, gab es bei den Funktionsteilen sehr schöne und individuell angefertigte Stücke.

Heute sind noch patentierte Reisebestecke für Camping im Gebrauch. Vielfach werden diese Bestecke aber auch durch Plastikbestecke als Wegwerfware ersetzt. Die meisten Modelle der Reisebestecke bestehen aus drei Teilen (Messer, Gabel und Löffel) und werden fixiert in einem Etui aufbewahrt. Andere Modelle beinhalten mehrere Teile in einem Korpus. Optik und Material treten für die Funktionalität heute eher in den Hintergrund.
Messer und Gabel werden auch als Taschenmesser angeboten. Durch einen Feststellmechanismus kann man beide Teile des Taschenmessers lösen und diese in beiden Händen wie ein Besteck führen. Bis weit in die 1950er Jahre führten viele Solinger Schneidwarenfirmen Bestecke mit Hirschhorngriffen in ihrer Produktpalette. Aktuell fertigen nur noch ganz wenige Solinger Firmen diese Bestecke. Material, kostenintensive Fertigung per Hand und aufwendige Ätzungen ließen das Hirschhornbesteck eher zum Nischenprodukt werden.
Die Solinger Firmen „Hubertuswerk“ und die „Fa. Linder“ z. B. führen Vorlageteile, Steakbestecke oder Tranchierbestecke und Wetzstähle mit Hirschhorn in ihrem Sortiment.

Fotos Nied

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