Rasierklingenklau im II Weltkrieg

Solingen/von Peter Nied – von einem spektakulären Prozess weiß die Zeitung „Messer und Schere“ im April 1944 zu berichten. Es ging um Diebstahl und Hehlerei, verhandelt vor dem Schöffengericht zu Solingen.

Angeklagt waren damals vier Frauen und vier Männer. Gestohlen wurden 250.000 Rasierklingen und 750 Rasierapparate aus mehreren Fabriken in Solingen. Aktiv geklaut hatten zwei der angeklagten Frauen. Alle anderen Tatgenossen waren als Hehler mit dem Verhökern der scharfen Dinge beschäftig. Der geschiedene Ehemann einer Diebin nahm alleine 600 Rasierapparate in Kommission. Die ganze Klauerei ging im Zeitraum von nur einem Jahr über die Bühne. Ein Handelsvertreter aus Kassel nahm 60.000 Rasierklingen ab. Verkauft wurde aber nicht nur in Solingen, auch in Hannover und Düsseldorf war man aktiv. Nur in einem einzigen Fall gab es Geld gegen Ware. Umso interessanter die Liste der Staatsanwaltschaft. Gegen die scharfen Dinge aus Solingen gab es nämlich Schinken, Käse, Fett, Speck, Kaffee, Kakao, Öl, Schnaps, Strümpfe, Unterhosen, Stoff sowie je einen Regen- und einen Staubmantel. Mitten im Zweiten Weltkrieg durchaus wertvolle Handelsware.

Gegen Lebensmittel wurden in Wesel 75.000 Klingen an einen Holländer verhökert, wobei auch in diesem Fall die Schneidwaren weit unter einem regulären Ladenverkaufspreis über den Tisch gingen. Unter Hehlerei, Diebstahl und Verstoß gegen das Kriegswirtschaftsgesetz vor Gericht stehend, logen die Hehler, ohne dabei rot zu werden. Das Gericht sprach Strafen von drei Monaten bis zu einem Jahr aus.

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