EIN NICHT ALLTÄGLICHES TASCHENMESSER

Ein nicht alltägliches Taschenmesser

Solingen/Dieses spezielle Taschenmesser ist als rustikales Arbeitsmesser, vermutlich im 18. Jahrhundert in Belgien in der Nähe der Stadt Lier entstanden und diente bei der Brotzeit der Bauern, beim Ästeschneiden, Rinde schaben, beim Feuermachen oder beim Versäubern der Pferdehufe.
 
Im Jahre 1889 trat der junge Paul Herder, im Auftrag des Firmengründers Robert Herder, eine Geschäftsreise nach Belgien und Holland an. Zweck dieser Reise war die Sondierung neuer Absatzgebiete und die Suche nach einem Markenzeichen, das in diese Region passt. Gefunden wurde nicht nur die Windmühle, sondern auch das Lierenaar. Paul Herder brachte das Messer mit nach Solingen und seit dieser Zeit befindet sich dieses Arbeitsmesser durchgehend im Herder Programm.
Glaubt man auf den ersten Blick, dass das einfache Arbeitsmesser bei der Montage nicht viel Arbeit machen würde, wird man schon bald eines Besseren belehrt. Hier ist viel Handarbeit gefordert.
 
Der Korpus aus Buchenholz liegt als Zulieferteil vor, nun folgen bei Herder das Ausschneiden, härten, anlassen, schleifen, feinpliesten und ätzen. Erst jetzt folgt die eigentliche Montage, das reden. Es liegen der Korpus, die Klinge, die Feder, zwei Messingplättchen, drei kleine und ein etwas längerer Nagel am Arbeitsplatz. Das Lierenaar besteht also aus ganzen neun Teilen.
Nun geht es auch schon los. Auf beiden Seiten wird in das Holz eine Versenkung gebohrt, um die Messingplättchen für die Niete im Heft aufzunehmen. Danach wird die Klinge eingesetzt und der Niet wird auf dem ersten Plättchen (es hat die Funktion einer Unterlegscheibe) durch den ganzen Griff durchgesteckt. Jetzt wird die Eisenfeder auf den Rücken des Griffs aufgelegt und die Mittigkeit wird überprüft. Sodann werden die drei Löcher für die Nägel gebohrt (dabei ist das Messer offen und greift in die Öffnung der eigentlichen Arretierung).
 
In einer Holzvorrichtung (Schablone Marke Eigenbau) wird die Mittigkeit noch einmal überprüft und auch die Festigkeit). Erst jetzt werden die Nägel eingeschlagen. Zum Abschluss wird der Niet abgekniffen und durch Abrundung werden Klinge und Griff zusammengefügt. Und immer zwischen den einzelnen Arbeitsgängen werden Gang und Festigkeit überprüft. Erst jetzt folgen die letzten Schritte wie Handabzug, putzen und verpacken. Aber auch ältere Varianten, bei immer gleicher Bauart, hat das Archiv der Firma zu bieten.

Die technischen Daten:
Heft 12 cm, Klinge 8,5 cm, Gesamtlänge offen ca. 20,5 cm. Messerdicke Griff ca. 1,5 cm.
Die Klinge ist aus hochwertigen Kohlenstoffstahl , der Griff aus Buchenholz.

von Peter Nied
Fotos Fa. Windmühlen-Messer

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