Der Rüdenstein

Der Rüdenstein

Es begab sich wenige Tage vor dem Christfest des Jahres 1424. Berge und Täler lagen unter einer Schneedecke und die Wupper war zugefroren. Der kalte Wind pfiff sausend über die Kuppen der Wupperberge und die Ritter mit den Jägern zogen ohne Worte über den steilen Pfad. Der Jungherzog Ruprecht von Berg hatte eine Jagd veranstaltet und nun war die Gesellschaft auf dem Rückweg zu Schloß Burg. Mensch und Tier wurden bei Einbruch der Dunkelheit nun noch mehr vom eisigen Nordwind erwischt.
Es war der alte Graf Nesselrode, der sich zuerst suchend umblickte. Er suchte den Jungherzog, der am Ende der Gesellschaft geritten war. Auch die anderen Herren hatten den Gastgeber nicht mehr gesehen. Der Zug stand jetzt still und die Jäger bliesen ins Horn aber jede Antwort blieb aus. Da kam winselnd ein Rüde den Abhang hinauf gekrochen und lief aufgeregt zwischen den Herren umher. Und immer wieder lief der Hund ein Stück den Abhang hinunter, um aber direkt wieder bellend zurückzukommen. Dann erst verstanden die Herren, dass der treue Hund ihnen etwas mitteilen wollte. Einige der Ritter sprangen vom Pferd und folgten dem bellenden Hund den Abhang hinunter. Immer wieder blieb der Hund stehen und wartete auf die Gesellschaft. Bald war man an einer Schlucht angekommen. Am Ufer der Wupper lag der blutende Jungherzog neben seinem zerschmetterten Pferd und hatte viele Glieder gebrochen. Der Mann war im Schneetreiben den Hang hinunter gestürzt. Nun war es jedoch noch Stunden bis zur Burg und aus diesem Grunde brachten sie den Jungherzog zu den Bauersleuten im nahe gelegenen Wupperhof. Herzog Adolf musste das Christfest ohne den Sohn feiern aber der war nun in guten Händen.
Nach langer Zeit der Genesung ging der Jungherzog zu der Stelle, wo er den Abhang hinunter gestürzt war. In seiner Dankbarkeit an den treuen Hund ließ er dem vierbeinigen Freund zum ewigen Gedenken ein Standbild errichten. Schon von Weitem konnte man auf dem Berg das Standbild des Lebensretters erblicken.
Noch heute heißt dieser Fleck im Tal der Wupper Rüden. Das Standbild verwitterte und stürzte in die Wupper. Aber immer wieder bauten die Leute ein neues Standbild auf. Zum Gedenken an den treuen Hund.

Frei nacherzählt nach Ziehnert 1925. Der von Ziehnert erwähnte Jungherzog Ruprecht von Jülich Berg  lebte allerdings 1365-1394. Bei den Überlieferungen von Otto Schell und Vincent Jakob von Zuccalmaglio war der erwähnte Jungherzog Robert von Berg ebenfalls nicht zutreffend.

(c) Peter Nied

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