Wer gibt den Löffel ab?

Solingen/Peter Nied - In unseren Breitengraden prägte die Zeit der Völkerwanderung mit dem Germanensturm den Gebrauch der Esswerkzeuge nachhaltig. Schon bald war die römische Tafelkultur, man war schon bis zur Gabel gekommen, fast vergessen. Das nachfolgende Mittelalter begann wieder ganz von vorne. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte gab es viele Versuche mit Materialien, die zur jeweiligen Zeit verarbeitet wurden. Der Löffel aus Holz stand dem Löffel aus Zinn in nichts nach. Wie lange Löffel wirklich schon von uns Menschen genutzt werden, zeigen Funde an verschiedenen Orten. Da gibt es Schöpflöffel aus Bronze mit römischer Herkunft aus dem 1. - 4. Jahrhundert nach Christi. Oder einen Löffel aus Bein, der aus der Türkei stammt und auf das 4. - 5. Jahrhundert nach Christi datiert werden kann.

 Ab dem 15. Jahrhundert waren in Mitteleuropa zunehmend Essbestecke im Gebrauch. Dabei waren Gabeln aber immer noch selten, und wenn, dann nur in reichen Haushalten. Hier hatten Gabeln nur zwei Zinken.

Im Zeitalter der Renaissance veränderte sich nicht sehr viel. Die Besteckteile hatten aber jetzt Hefte mit Perlmutter und Messing.
Ab dem 17. Jahrhundert benutzte man immer öfter sogenannte Reisebestecke. Nachdem das Besteck lange Zeit 3-4-teilig war, gibt es die ganzen Sets oder die 24-teiligen Bestecke erst ab der industriellen Massenfertigung. Bestecke waren folglich Gebrauchsgegenstand, Status und Tischkultur. Der Stellenwert stagnierte jedoch im Laufe der Zeit.  Preisverfall folgte auf Massenproduktion und Ansprüche am gedeckten Tisch ließen nach. Sehr deutlich zeigt das auch die Rede des Vorsitzenden der Fachgruppe "Besteckindustrie" im IVSH, Wilhelm Seibel auf der Pressekonferenz der Messe Ambiente 2019 in Frankfurt: "Da sind zunächst einmal die veränderten Lebenswelten und die damit einhergehenden Formen des Konsums, und zwar einschließlich der Art und Weise, wie Menschen ihr Essen zu sich nehmen." Die Feststellung trifft unseren Alltag. Speisen werden zu großen Teilen anders zu sich genommen und der Verzicht auf das herkömmliche Besteck macht sich breit. Fingerfood und Kantine tragen ebenso dazu bei wie der Döner oder ein Salat.

Das Besteck in der alten Form wird sich neu und/oder anders selbst erfinden müssen.



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