Eine Gastronomie mit Geschichte

 

Eine Gastronomie mit Geschichte und moderner Fortsetzung. Ein Zeitzeuge berichtet.

 

 

 

Sein Vater kam 1924 in die Lehre und wurde zur Hotelfachkraft ausgebildet. Der Sohn, unser Zeitzeuge, erlebte Höhen und Tiefen des Hauses von seiner Kindheit bis zum Abriss.

 

Gute Erinnerungen gibt es an die Kindheit:"Im Jahr 1958 hatte meine Schule Böckerhof dort ihr Schulfest und ich war einer der 7 Zwerge. Mein Vater besuchte in den 1950er Jahren oft seinen früheren Chef. Dann saß Herr Ernst Koburg in der großen Küche in einem Eckchen. Über dem alten Mann saß eine Lachtaube in einem kleinen Käfig. Er erzählte mir von der Brauerei Beckmann und den Pferdefuhrwerken. Die brachten auch das Stangeneis. Das Eis kam in eine Kiste unter dem Wintergarten."

 

 

 

Seinen Anfang nahm die Lokalität wohl im Jahre 1902. Der Wirt hatte Bier der Vereinsbrauerei Höhscheid im Ausschank sowie Speisen und eine reichhaltige Weinkarte. Wirt Hülswede folgte Josef Ahlefeld im Jahre 1906.

 

 

 

Dank unseres Zeitzeugen können wir eine große Lücke in der Chronik schließen. Der Vater ging 1924 in die Kellner Ausbildung bei dem Inhaber Ernst Koburg. Die Familie Koburg führte das Haus bis Ende der 1950er Jahre mit Vertrag der Brauerei Beckmann. Es gab auch ein großes Gartenlokal, die Kellner nannte man "Kieslatscher". Der Vater des Zeitzeugen erzählte von den Sonderzügen aus dem Ruhrgebiet. Mit diesen KdF Zügen kamen hunderte Gäste vom Schaberg nach Müngsten. Und es gab die Hamsterzeit nach dem Krieg. Oft kamen kleine LKW aus der Eifel in die Bergische Schweiz. Dann gab es Speck und Kartoffel gegen Solinger Rasierklingen.

 

Vor dem Krieg war bei den Kindern der ganz große Renner die von Beckmann gelieferten Limonaden Zitsch und Quatsch.

 

 

 

Ende der 1960er Jahre übernahm der Wuppertaler Eberhard N. das Lokal. Im Tropic und Riverside gab es Musik und Sex. Zu Beginn der 1970er Jahre kam N. in Untersuchungshaft, das Lokal wurde geschlossen.

 

 

 

Nach einem Versuch, dort ein Musik - Lokal zu betreiben, eröffnete dann Mitte der 1980er Jahre unter Wolfgang Hilbrich das Exit. In der Region geliebt blieb das Exit als Rock Disco bis zum Abriss des Gebäudes 2008 vor Ort.

 

 

 

Eine ganz eigene Geschichte hat die Wupperbrücke. Und so kam die Brücke zu ihrem Namen : Die Wupperbrücke zwischen Solingen und Remscheid steht unmittelbar neben der neuen Straßenverbindung. Erbaut wurde die alte Steinbrücke 1848, fast drei Jahrzehnte nach Napoleons Tod. Es wird vermutet, dass im Zuge der Revolution in Frankreich und im Bergischen die Namensgebung auf den Neffen Napoleons, Louis Napoleon Bonaparte, basiert. Ein weiteres Merkmal dieser Brücke sind die zwei Stufen. Statt einer abfallenden Fahrbahn hatten die Erbauer zwei Stufen eingebaut. Darüber mussten die Pferde und Wagen gehoben werden. Autos mussten zu späteren Zeiten mit einem Kran über die Stufen gehoben werden.

 

 

 

Erst wesentlich später wurde dieser Missstand beseitigt. Mit dem Bau der neuen Brücke und der Straße nach Remscheid.Fotos: exit, Kellner Paul Nied 1926, Wupperbrücke (alle Fotos © Nied

 

 

 

Text: Peter Nied

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0